«Bschüssig»-Teigwaren: Ein Stück Schweizer Alltags- und Firmengeschichte!

Im Dezember1956 holt Johann Brändli für Gebrüder Weilenmann soviele Bestellungen ein wie nie zuvor. Vor Jahresende muss er sich, so ist es geplant, einem Eingriff unterziehen. Ein letztes Mal überträgt er ins Formular, was seine Kunden in den Kantonen Aargau, Basel und Solothurn bestellt haben, er ahnt nicht, dass er nie wieder auf Tour gehen wird.

Er wird auch nicht mehr erfahren, dass er, Lohn und Provision zusammen gerechnet, erstmals ganze tausend Franken verdient hat. Diesen letzten Lohn kann er nicht mehr selber abholen in Winterthur/Veltheim, wie er dies über 25 Jahre lang am Ende jedes Monat getan hat.

Der nach Baden angereiste Geschäftsleiter von Gebrüder Weilenmann würdigt Johann Brändli als «besten Vertreter, der je für Weilenmann gearbeitet hat.» Die Wertschätzung war beidseitig, Brändli vertrat mit Stolz seinen Arbeitgeber. Der Prinzipal, wie die Angestellten ihren Chef nannten, galt als kluger Patron. Brändli fühlte sich geschätzt, in die Firma integriert und fair am Geschäftserfolg beteiligt.

Auf solche Anerkennung musste das Verdingkind, aufgewachsen im Aargau, lange Jahre warten. Einem Verdingkind bezahlt niemand eine Ausbildung, auch keine Lehre. Irgendwie kommt Brändli in Baden bei Brown Bovery als Dreher unter. Er ist geschickt, seine Arbeitskollegen, alle mit Lehrabschluss, wissen und merken nichts. Dann wird er verpfiffen, und als einer ohne Lehre muss er gehen. Er sammelt einige Erfahrung als Vertreter und kommt 1930 zur Firma Gebrüder Weilenmann, die daran ist, ihr Kundennetz über die Kernregion Zürich hinaus in die Nordwestschweiz auszuweiten.

Ein Tag im Leben eines Reisenden Kaufmanns

Bis anfangs fünfziger Jahre ist Johann Brändli für Gebrüder Weilenmann mit Bahn und Velo unterwegs, er wird Mitglied des «Vereins reisender Kaufleute». Vom Arbeitgeber mit Generalabonnement und Fahrrad ausgestattet, besteigt er in Hendschiken/AG den Frühzug um 6.50 Uhr, er will vor den übrigen Vertretern bei seinen Kunden eintreffen. Coop, Konsumverein und Volg heissen die grösseren Abnehmer. Seine Route führt Brändli weit hinaus in die abgelegenen Dörfer, in kleine Dorfläden und Käsegeschäfte, die Teigwaren im Sortiment führen. Den Heimweg tritt er erst an, wenn er mindestens 30 Bestellungen aufgenommen hat. Zurück von der Tour, schreibt er die Bestellungen für Gebrüder Weilenmann sofort ins Reine, damit Posthalter Fischer das Couvert noch am gleichen Abend mit der übrigen Dorf-Post zum Bahnhof befördern kann.

Die Jahre der Rationierung: Ernst Weilenmann – Der Prinzipal sorgt für sein Personal

Die 1939 einsetzenden Rationierungsmassnahmen zwingen Gebrüder Weilenmann zur Einschränkung der Produktion. Auch beim Vertrieb der Produkte muss das Unternehmen zurückstecken. Die Ware reicht kaum für die Stammkundschaft im Kanton Zürich. Die Firmenleitung sieht sich ausserstande, auch die drei Vertreter der Region Nordwestschweiz zu beliefern. Trotz Lieferungsstopp löst Ernst Weilenmann das Arbeitsverhältnis mit den drei Vertretern nicht gänzlich auf. Er zahlt jedem von ihnen monatlich einen Unterhaltsbeitrag von 200 Franken aus, und dies bis zu ihrer Wiederbeschäftigung nach Kriegsende. Johann Brändli übernimmt in diesen Jahren die Leitung der Rationierungsstelle Hendschiken, um seine Familie durchzubringen.

«Bschüssig»: Ein Name mit Vergangenheit

1940 droht der Krieg die Schweiz von allen Importen abzuschneiden. Die Landesregierung stellt die Bevölkerung vor die Alternative: «Mehr anbauen oder hungern.» Im Bühl oberhalb von Hendschiken/AG, wo Johann Brändli wohnt, wird anfangs der 40er Jahre eine grosse Fläche Wald gerodet, um Platz zu schaffen für neue Roggen- und Weizenfelder, die sogenannte Anbauschlacht ist in vollem Gange. Wer Haus und Garten hat, nutzt jeden Quadratmeter Erde für das Anpflanzen von Gemüse und Kartoffeln, an den Hauswänden wird Spalierobst gezogen.

Neben der Gartenpflege prägt den Zeitgeist jener Jahre die Mundartpflege: Sie ist Teil der sogenannten geistigen Landesverteidigung. Die Geschäftsführer von Gebrüder Weilenmann, auf der Suche nach einem Namen für ihre Qualitätsteigwaren, landen einen doppelten Treffer, als sie sich für «Bschüssig» entscheiden: Wer damals im eigenen Gemüsegarten Setzlinge zieht, tut dies in der Überzeugung, dass «es bschüsst nochher», d. h. dass es sich lohnt – eine damals häufig gehörte Redensart.

In diesen Krisenjahren muss jeder Haushalt Essvorrat für zwei Monate haben, Nahrungsmittel also, die nicht schnell verderben. Und vor allem: «Es söll au bschüsse uf em Teller». Trockenteigwaren erfüllen beide Anforderungen ideal. Dass die «Bschüssig»-Produkte der Gebrüder Weilenmann dazu noch von ausgezeichneter Qualität sind, spricht sich herum. Der Name auf der Packung wird zum Markenzeichen für Qualität und Tradition: Weil er nicht zuviel verspricht.

Der Krieg dauert. Einmal besuchen die drei unbeschäftigten Vertreter aus der Region Nord-westschweiz gemeinsam den Firmensitz in Winterthur. Es handelt sich um einen Bittgang: Brändli und seine beiden Berufskollegen bieten dem Prinzipal an, gratis in der Spedition beim Einpacken zu helfen, wenn im Gegenzug die Firma jeden von ihnen wieder mit Ware beliefert. Gebrüder Weilenmann jedoch hat schon Schwierigkeiten genug, für seine Zürcher Vertreter ausreichende Mengen zu produzieren.

Die Jahre der Konjunktur: Bschüssig beschleunigt mit Volkswagen

Nach dem Krieg kann Gebrüder Weilenmann den Vertrieb der Ware in die Nordwestschweiz wieder aufnehmen. Mit dem Aufschwung erhöht sich auch das Tempo im Handel. Der Vertreter auf dem Velo wird zum Auslaufmodell. 1952 nimmt Johann Brändli ein paar Fahrstunden, Gebrüder Weilenmann motorisiert seine Reisenden. Im schwarzen VW mit ausklappbarem Winker rechts fährt Johann Brändli zu seiner Kundschaft. Die Zukunft, ahnt er, wird Vertreter wie ihn nicht mehr brauchen. Er erlebt 1955 sein 25jähriges Dienstjubliläum bei Gebrüder Weilenmann: Der Geschäftsführer überreicht ihm als Dank eine Armbanduhr, eine Omega-Seamaster.

«Bschüssig»: Für eine Zukunft ohne Hunger

Aus der eigenen Firmengeschichte wissen wir, dass Teigwaren bei Versorgungsknappheit einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Hungers leisten können. Deshalb unterstützen wir seit 2011 die Organisation «share for food». Ein Prozent des Umsatzes, den wir mit der Marke «Bschüssig Urschweizer» erzielen, fliesst in Hunger-Hilfsprojekte. Unterstützen Sie unser Engagement, «damits bschüsst»! Foto: Elsbeth Gloor-Brändli, Johann Brändlis Tochter, 1953